Swing – ein Denkanstoss

Um es gleich vorweg zu nehmen – ich persönlich würde in Bern gerne öfters zu richtigem Swing tanzen können! Big-Band Musik aus den 30er und 40er Jahren, heutige Bands à la Gordon Webster und Boilermaker Jazzband inbegriffen. Neben meiner persönlichen Vorliebe für diese Musik lassen sich, meiner Meinung nach, doch einige Gründe anführen, weshalb etwas mehr Swing nicht so schlecht wäre.

Lindy-Hop wird gerade in Bern zu sehr verschiedener Musik getanzt, Pop, Soul, Funk, Swing. Nun kann man zwar mit Lindy-Moves und Technik tatsächlich zu vieler Musik tanzen, doch beeinflusst der jeweilige Musikstil letztlich wiederum stark die Art und Weise wie wir tanzen. Das ist auch gut so, sonst würden wir die Musik als blosses Metronom gebrauchen und gar nicht genauer hinhören beim Tanzen. Nur bekommt man oft sehr wenig Swing zu hören…

Um die Sache vor Ohren zu führen, zwei Musikbeispiele. Die erste Aufnahme stammt von Charlie Barnett aus dem Jahr 1939 und steht hier als Beispiel für Swing, der Musik also, zu der getanzt wurde back then. Die zweite ist von Lisa Ekdal und war lange Jahre in Bern ein absoluter Lindy-Klassiker. Man höre beide Aufnahmen mit folgenden Fragen im Kopf:

1. Würden Leute, die nichts von Lindy-Hop wissen, vermuten, dass zu beiden Musikstücken genau gleich getanzt würde?

2. Würde ein Tanz, der zu „Vem vet“ entstanden wäre, tatsächlich so viel Bounce haben wie Lindy-Hop, gäbe es Triple-Steps oder Shadow-Charleston?

Charlie Barnett, ‘The right idea’

vs.

Lisa Ekdal, ‘Vem vet’

Beobachte ich die Tanzfläche, während Musik à la Beispiel 2 gespielt wird, sehe ich kaum Swing-Outs. Dies finde ich nicht weiter verwunderlich, „Vem vet“ hat für mich zum Beispiel eine starke Betonung auf die Beats 1 und 3, die ich mit einem langsamen Bounce (und vielen half-time steps) „betanzen“ würde. Swing-Outs und ein starker, durchgehender Bounce passen für mich kaum dazu. Für mich machen aber gerade diese zwei Elemente viel davon aus, was Lindy-Hop ist.* So habe ich nach einer Party manchmal das Gefühl, zwar lange getanzt, aber wenig gelindyhoppt zu haben.

Neben diesem Text zwei Taten statt Worte:

I. Für alle, die Swing mögen, aber nicht recht wissen, wo anfangen mit suchen, habe ich eine kleine Liste mit 10 tollen Swing-Tunes zusammengestellt, schön nach Tempo aufgereiht. Da die heute aktiven Swing-Bands eher bekannt sind, habe ich mich auf alte Bands und Interpreten beschränkt.

1. „I can’t stop loving you“, Count Basie, Live at the Sands, 110 Bpm

2. „Isn’t love the strangest thing?“, Ivie Anderson, Jazz Figures / Ivie Anderson (1932-1942), 120 Bpm

3. „Love me or leave me“, Benny Goodman, Benny Goodman Live Swing Sessions 1943-49, 130 Bpm

4. „In a mellotone“, Buddy Rich, Swingin’ New Big Band, 140 Bpm

5. „Streamliner“, The Bill Elliott Swing Orchestra, Swing Masters: Calling all Jitterbugs, 150 Bpm

6. „Floatin’“, Les Brown, Best oft the Big Bands, 160 Bpm

7. „One foot in the groove“, Artie Shaw, Big Band Classics, 170 Bpm

8. „Three Bones“, Lucky Millinder and his Orchestra, Big Band Jazz, the Jubilee Sessions, 1943 to 1946, 180 Bpm

9. „Sing you Sinners“, Fletcher Henderson, 1924-1936, 190 Bpm

10. „Non-stop flight“, Tony Pastor, Busy Line, 200 Bpm

Bonus: „Lindyhopper’s Delight“, Chick Web, Strictly Jive, 195 Bpm

 Wer Musik von diesen Künstlern sucht, wird garantiert viel guten Swing finden!

II. Ich und ein paar andere Tänzer sind am Planen eines neuen wöchentlichen Anlasses, bei dem nur Swing gespielt werden wird, und zwar eher im oberen Tempobereich. Be prepared to swing-out!

Kommentare sind sehr willkommen auf meiner Facebook-Seite: FB-DjBernie 

*Das sieht beispielsweise so aus:

Show at Swingcrashfestival in Como

 

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